„Ganz tapfer sein“ hilft tatsächlich: Wer sich als Held fühlt und seinem Schmerz einen Sinn beimisst, hat darunter weniger zu leiden als jemand, der seine Schmerzen für nutzlos und unbeeinflussbar hält. Diesen Zusammenhang zwischen der eigenen Rollenwahrnehmung und dem Schmerzempfinden belegten Züricher Forscher um Gerd Folkers.
Die Schweizer Wissenschaftler ließen ihre Probanden in verschiedene Rollen schlüpfen. In einem Szenario übernahmen sie den Part des Helden, der eine Prinzessin retten muss. In einem Labyrinth begegneten sie schließlich ihrem Widersacher, der ihnen anbot, die Prinzessin freizugeben, wenn sie dafür bereit wären zu leiden. Hitzereize am Unterarm waren der Preis für die Befreiung der Prinzessin.
In einem anderen Versuchsdurchlauf teilten die Forscherregisseure ihren Darstellern eine weniger attraktive Rolle zu: Diesmal mussten sich die Probanden in die trostlose Situation eines hilflosen Opfers hineinversetzen. Passiv und eingesperrt, waren sie den Schikanen des Gegners ausgeliefert und mussten sinnlosen Schmerz über sich ergehen lassen.
Zur Kontrolle testeten die Forscher die Schmerztoleranz außerdem nach der Lektüre eines wissenschaftlichen Textes und nach einer zehnminütigen Ruhepause. Um die Schmerztoleranz zu ermitteln, maßen die Untersucher die Leitfähigkeit der Haut, ließen die Studienteilnehmer die Intensität des Schmerzes selbst einschätzen und zeichneten ihre Stimmen vor und nach dem Experiment auf. Das Resultat: Imaginäre Helden tolerierten schmerzhaftere Reize besser.
In der Heldenrolle empfanden die Probanden den Schmerz zwar intensiver, aber weniger unangenehm als in der Rolle des Opfers und bei der Kontrollmessung. Auch tolerierten die „Helden“ höhere Temperaturen, ohne zu jammern. Bei den zur Passivität verurteilten Opfern hingegen sank die Schmerztoleranz: Schon geringe Hitzereize wurden als schmerzhaft empfunden. Die Forscher vermuten, dass das Rollenerleben bestimmte Emotionen auslöst und verstärkt, die wiederum die Schmerzwahrnehmung beeinflussen.
Die Schmerztoleranz der weiblichen Versuchspersonen war übrigens generell niedriger als die der Männer. Zudem nahmen Frauen die Schmerzen subjektiv stärker wahr. Die Fähigkeit, in der Heldenrolle ihre Schmerztoleranz zu steigern, war aber bei beiden Geschlechtern gleich.
Für ihre Studie wurden die Wissenschaftler beim Deutschen Schmerzkongress in Berlin mit einem Förderpreis ausgezeichnet.



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